Das Geheimnis allen Helfens
“Wenn es wirklich gelingen soll, einen Menschen zu einem bestimmten Ziel hinzuleiten, muß man zunächst darauf achten, daß man ihn da finde, wo er ist und da anfängt.
Das ist das Geheimnis allen Helfens. Wer das nicht kann, ist in einem Irrtum befangen, wenn er meint, jemanden helfen zu können. Um wirklich jemanden helfen zu können muss ich mehr verstehen als er - aber doch zuallererst das verstehn, was er versteht. Tu ich das nicht, dann hilft ihm mein Mehr-Verstehn gar nichts. Will ich trotzdem mein Mehr-Verstehn geltend machen, dann darum, weil ich eitel oder stolz bin, so daß ich im Grunde, statt ihm zu helfen, von ihm bewundert werden will. Alle wirkliche Hilfe aber fängt mit einer Demütigung an. Der Helfende muß sich erst unter den, dem er helfen will, demütigen und dabei verstehen, daß Helfen nicht Herrschen ist, sondern Dienen, daß Helfen nicht darin besteht der Herrschsüchtigste zu sein, sondern darin, der Geduldigste zu sein, daß Helfen in der Bereitwilligkeit besteht, sich vorläufig dreinzufinden, Unrecht zu haben und, was der andere versteht, nicht zu verstehn…”*
Diese Worte Sören Kierkegaards bewegen mich im Auenblick sehr und passen gut zu dem vergangenen Eintrag. Aus diesem Grund seien sie hier weitergegeben.
*) Sören Kierkegaard “Religion der Tat”
